12 Tipps für Klima-Gespräche zur Bundestagswahl, die die Welt verändern können

1. Aug 2021 | Praxisanleitungen

Die Bundestagswahl 2021 ist eine Jahrhundertwahl. Es liegt in unserer Hand: Wie viel Klimaschutz bringen wir ins Parlament? Um die Wahl zur Klimawahl zu machen, braucht es möglichst viele wirkungsvolle Klima-Gespräche quer durch die Gesellschaft. Mit diesen 12 Tipps aus der Psychologie wird es leichter – erzählen Sie es weiter!

Mit wem soll ich als erstes sprechen?

Häufig reicht unsere Zeit nicht aus, um mit allen Personen, die wir kennen, zu sprechen. Daher sollten wir uns selbst fragen: Mit wem möchte ich besonders reden? Wer ist meine Zielgruppe?

1. Sprechen Sie besonders mit Menschen, mit denen Sie eine wertschätzende Beziehung pflegen, also z.B. Freund:innen, Familie, Kolleg:innen und Nachbar:innen.

Bei unseren Einschätzungen zu gesellschaftlichen Fragen orientieren wir uns immer auch an den Menschen aus unserem Umfeld, die uns wichtig sind. Sie sind Ihren Bekannten wichtig. Daher kann ein Austausch mit Ihnen einen echten Unterschied machen.

2. Sprechen Sie mit den Bekannten, bei denen Sie sich Wirkung versprechen.

Vielleicht haben Sie Bekannte, die bereits recht sicher klimabewusst wählen oder andere, die die Klimakrise leugnen? Seien Sie realistisch: Wie viel können Sie mit einem einzelnen Klima-Gespräch bewegen? Fokussieren Sie sich auf die Gruppen, bei denen ein oder zwei Klima-Gespräche es tatsächlich wahrscheinlicher machen können, dass eine weitere Person eine klimabewusste Stimme abgibt.

Was ist ein gutes Setting für ein Klima-Gespräch?

3. Suchen Sie sich eine ruhige und angenehme Situation – oder schaffen Sie diese.

Am einfachsten sind Gespräche über herausfordernde Themen wie die Klimawahl dann, wenn es Ihnen und Ihrem Gegenüber gut geht und Sie sich wohlfühlen sowie ein bisschen Zeit mitbringen. So lässt es sich natürlich bei einem verabredeten Waldspaziergang besser reden als bei einer viel zu kurzen Mittagspause in einer lauten Kantine. 

Wie starte ich das Klima-Gespräch?

Obwohl die Klimakrise im Hier und Jetzt angekommen ist, kann es unangemessen ankommen, direkt eine Frage zur Bundestagswahl zu stellen. Daher sollten wir uns selbst fragen: Wie kann ich mit meinem Bekannten in den Austausch kommen?

4. Verbinden Sie sich mit Ihrer Neugierde und Ihrem echten Interesse am Gegenüber.

Ein wahrer Dialog kann nur ergebnisoffen geführt werden. Sie begeben sich gemeinsam in einen Austausch. Wir können uns im Vorhinein überlegen, was uns besonders an der Perspektive unseres Bekannten interessiert. Machen Sie sich auch auf die Suche nach Gemeinsamkeiten und sprechen Sie diese im Gespräch aus – das verbindet.

5. Stellen Sie offene Fragen, hören Sie Ihrem Bekannten aufmerksam zu und versuchen Sie, mit ganzem Herzen zu verstehen.

So signalisieren Sie Ihr echtes Interesse. Offene Fragen laden zudem zum Erzählen ein und geben Ihrem Bekannten Raum und schaffen Tiefe. Wir können bspw. ins Klima-Gespräch mit Fragen wie diesen einsteigen: Sag mal, wie fühlst du dich eigentlich, wenn du an die kommende Bundestagswahl denkst? Welche Rolle spielt die Klimakrise für dich und dein Leben? Fragen Sie an den Stellen nach, die Sie besonders interessieren – folgen Sie Ihrer Neugierde. Wenn Sie etwas nicht ganz verstanden haben, fragen Sie wieder interessiert nach.

6. Entdecken Sie, wo Ihr Gegenüber steht und helfen Sie beim nächsten Schritt.

Wir erreichen alle Personen auf verschiedenen Wegen. Über eigene Klimamaßnahmen zu sprechen ergibt keinen Sinn, wenn das Gegenüber noch nicht einmal die Dringlichkeit verinnerlicht hat. Um ein Gefühl für die Lage unseres Gegenübers zu bekommen, können wir uns selbst diese Fragen innerlich stellen: (1) Findet mein Bekannter Klimaschutz wichtig? (2) Falls ja: Welche Vor- und Nachteile gehen für meinen Bekannten mit einer klimabewussten Wahl einher? (3) Falls ja: Hat sich mein Bekannter schon für Partei/Kandidat:in entschieden? Wir können uns als Begleiter:in unseres Bekannten begreifen und dabei helfen, die Gedanken zu ordnen und den nächsten Schritt zu wagen.

Was behalte ich während des Klima-Gesprächs im Hinterkopf?

7. Wechseln Sie die Perspektive.

Akzeptieren Sie die Werte des Gegenübers, denn sie sind Teil der Identität und lassen sich daher nur schwierig verändern. Belehrungen und Schuldzuweisungen greifen den Selbstwert an, den das Gegenüber durch Widerstand schützen möchte. Wechsle hingegen die Perspektive und überlege, welche Argumente zu den Werten passen. Beispielsweise sind fast alle Werte durch die Klimakrise bedroht: der Erfolg der deutschen Wirtschaft, das eigene Häuschen oder die Schöpfung.

8. Sprechen Sie über Gefühle.

Wissensvermittlung alleine motiviert nicht zum Handeln. Am besten ist es, wenn Sie nachvollziehbar Wissenschaft und Gefühle voneinander trennen: Welche Fakten liegen vor? Was macht das mit mir als Mensch? Stellen Sie sicher, dass Sie nicht nur Ihren unangenehmen Gefühlen wie Wut, Ärger oder Angst Platz machen wollen. Seien Sie umsichtig und sortieren Sie, welche Ihrer Gefühle produktiv für Ihr Gegenüber sein könnten.

9. Machen Sie keine Angst, sondern empowern Sie zum Handeln.

Anders als oft angenommen motiviert Angst alleine nicht zum Handeln. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland sorgt sich bereits um die Klimakrise. Begleiten Sie Ihr Gegenüber ggf. aus dem lähmenden Katastrophen-Denken heraus und zeigen Sie Lösungen (ambitionierte Politik) sowie persönliche Handlungsmöglichkeiten (klimabewusste Stimme zur Bundestagswahl) auf. Sie können auch davon berichten, warum Sie aktiv geworden sind und welche Erfolge Sie mit ihrem Handeln schon erlebt haben. Damit schaffen Sie das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Laden Sie Ihren Bekannten dazu ein, mit Ihnen zusammen Teil der Transformation zu sein und klimabewusst zu wählen.

10. Bringen Sie Nachsicht und Mitgefühl mit und behalten Sie den Fokus.

Es kann gut sein, dass Ihr Gegenüber nicht alle wissenschaftlichen Fakten parat hat. Machen Sie dann auf Missverständnisse aufmerksam und fragen Sie nach, ob Sie erklären dürfen, wie es stattdessen ist. Dies belässt die Autonomie bei Ihrem Gegenüber, der sich dann weniger belehrt fühlt. Erklären Sie dann den Stand gezielt, sachlich und kurz. Verzetteln Sie sich nicht in Details, sondern behalten Sie die Themen im Fokus, auf die es im Klima-Gespräch wirklich ankommt.

Wie lasse ich das Klima-Gespräch ausklingen?

11. Bedanken Sie sich für die neuen Perspektiven.

Zum Ende des Klima-Gesprächs ist es Zeit, Ihre Dankbarkeit zu zeigen. Denn sicherlich haben Sie Neues hinzugelernt. Dass sich Bekannte öffnen und von eigenen Perspektiven berichten, ist ein Geschenk.

12. Besprechen Sie nächste Schritte und laden Sie zum nächsten Gespräch ein.

Sie können zum Abschluss noch zusammenfassen, was Sie persönlich vorhaben zu tun. Wiederholen Sie, was Sie verstanden haben, was Ihr Gegenüber als nächstes tun möchte. So rufen Sie die Pläne in Erinnerung. Eine feste Zusage macht das Handeln wahrscheinlicher, erst recht, wenn jemand anderes zugehört hat. Ebenso können Sie noch offene Fragen benennen, zu denen Sie ggf. noch einmal gern ins Gespräch gehen möchten.

Wenn etwas einmal nicht so klappt, wie Sie es sich gewünscht haben…

Klima-Gespräche zu führen ist für uns alle eine große Herausforderung. Wir lernen dabei mit jeder neuen Erfahrung. Wenn Ihre gute Beziehung droht, im Gespräch Schaden zu nehmen, schützen Sie Ihre Beziehung zu Ihren Lieben, und behalten Sie bei einem holprigen Start dennoch die Tür offen, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf das Thema Klima zurückzukommen. Besinnen Sie sich in jedem Fall darauf, was Sie bisher schon von Ihren Mitmenschen lernen durften. Und vielleicht haben Sie ja Lust, es einfach noch einmal zu probieren?

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